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KI und Demokratie: Emmy Noether-Förderung für LMU-Politologen

06.02.2026

Alexander Wuttke erhält eine Förderung aus dem Emmy Noether-Programm der DFG.

Warum bekennen sich viele Menschen zur Demokratie, wählen aber Politikerinnen und Politiker, die diese untergraben? Mit Fragen wie dieser beschäftigt sich der Politikwissenschaftler Alexander Wuttke, der nun von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Emmy Noether-Programms ausgezeichnet wird. Die Fördersumme beträgt 1,17 Millionen Euro für einen Zeitraum von sechs Jahren.

Alexander Wuttke steht vor mehreren von der Sonne beschienenen Bäumen

Prof. Dr. Alexander Wuttke

lehrt und forscht über Digitalisierung und politisches Verhalten. | © LC Productions

Alexander Wuttke ist Juniorprofessor für Digitalisierung und Politisches Verhalten am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der LMU. Er lehrt und forscht zu den Versprechen und Herausforderungen der liberalen Demokratie aus Perspektive der Bürgerinnen und Bürger. Dabei setzt er insbesondere experimentelle und computergestützte Methoden der Sozialforschung ein. In seinem Projekt „Predictably Paradoxical: Leveraging AI to Map the Democratic Mind“ erforscht Wuttke mit einer neuartigen, KI-gestützten Interviewmethode, wie widersprüchliche demokratische Einstellungen entstehen.

„Unsere Daten zeigen, dass Bürgerinnen und Bürger stabiler Demokratien oft nicht zufriedener mit dem politischen System sind als Menschen in autoritären Staaten“, sagt Wuttke. „Viele nehmen ihr Land nicht einmal als demokratischer wahr als Menschen in Autokratien. Und selbst wenn sich Bürger klar zur Demokratie an sich bekennen, handeln sie dagegen, wenn es an die Wahlurne geht.“ Der Politologe argumentiert, dass die vorherrschende Forschungspraxis mit standardisierten, geschlossenen Umfragen verhindert, diese Widersprüche im Denken über Demokratie zu erklären. „Bisherige Methoden messen zwar, ob Menschen Demokratie unterstützen, erfassen aber kaum, was Menschen zur Demokratie im Kopf haben und wie begründet und stabil ihre demokratischen Überzeugungen sind.“

KI-Interviews, die menschlichen ähneln

In seinem neuen Projekt wird Wuttke „demokratische Überzeugungssysteme“ vergleichend kartieren. Dabei interessiert ihn nicht nur, ob Menschen die Demokratie grundsätzlich befürworten, sondern auch, wie konsistent und belastbar diese Haltung ist.

Methodisch entwickelt Wuttke dazu mit einem interdisziplinären Team aus Informatik, politischer Psychologie und computergestützten Sozialwissenschaften neuartige, KI-gestützte Interviews. Er trainiert Sprachmodelle so, dass diese offene oder halbstrukturierte Gespräche führen können, ähnlich wie menschliche Interviewerinnen und Interviewer. Ergänzend setzt Wuttke klassische Methoden ein, darunter standardisierte, geschlossene Fragen sowie Panelerhebungen mit wiederholten Befragungen.

Geplant ist im Rahmen des Projekts eine umfangreiche Datenerhebung in rund 13 Demokratien sowie in ausgewählten autoritären Staaten mit etwa 1.000 Befragten pro Land. Ziel ist es, die inhaltliche Tiefe qualitativer Interviews mit der Reichweite groß angelegter Umfragen zu verbinden. So will Wuttke nicht zuletzt zeigen, unter welchen Bedingungen Menschen Verletzungen demokratischer Prinzipien erkennen oder sich von scheinbar pro-demokratischer autoritärer Rhetorik täuschen lassen.

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